Sonstiges

Einfrieren von Nabelschnurblut und -gewebe

Ich weiß nicht inwiefern andere sich über dieses Thema Gedanken machen oder inwiefern das überhaupt verbreitet ist. Bei meinem Mann und mir kam das Thema schon während der Kinderwunschzeit auf, aber beschäftigt haben wir uns damit nicht. Und auch als ich dann endlich schwanger wurde, war das Thema noch weit weg. Durch die Kreissaalführungen ist es jedoch wieder hervor gekommen und besonders ich habe darüber nach gedacht.

Bei einer der beiden Führungen lag ein Prospekt im Kreissaal aus welches genau dieses Thema behandelt. Der leitende Oberarzt hat keinen Hehl daraus gemacht, dass er von davon nicht besonders viel hält und hat die Prospekte sogar zur Seite gelegt. Mich hat das nicht daran gehindert eins mit zu nehmen. Auch im Geburtsvorbereitungskurs war das Thema zumindest kurz zur Sprache gekommen, fand aber auch hier bei den Teilnehmern überhaupt keine Fürsprache. Die Hebamme ist recht neutral geblieben, hat jedoch auch deutlich gesagt, das Kosten und Nutzen nicht positiv zu sehen sind. Bei einer recht bekannten Firma die gleich als erstes erscheint wenn man danach sucht, kostet das einfrieren des Blutes um die 2.000 Euro plus eine jährliche Gebühr von 50 Euro. Das einlagern von Blut und Gewebe kostet etwa 2.500 Euro und zusätzlich fällt noch eine jährliche Gebühr von 75 Euro an. Ein nicht besonders geringer Betrag. Natürlich können mit den Stammzellen die aus Blut und/oder Gewebe gewonnen werden, Krankheiten geheilt werden, doch dazu muss man wissen dass damit erst mal nicht alles geheilt werden kann und vor allem ist in Deutschland auch nicht alles zugelassen. Blut-, Stoffwechsel oder genetische Erkrankungen sind zugelassen. Alles andere jedoch nicht. Hierzu ist besonders wichtig zu wissen, das man das Kind, sollte es mal an zum Beispiel Leukämie erkranken, sowieso nicht mit den vorhandenen eigenen Stammzellen behandeln würde, da man davon ausgeht das dort bereits die Voranlagen der Krebszellen (Gencode) enthalten sind und das Kind später erneut erkrankt. Das Immunsystem spielt hier auch noch eine Rolle. Ein weiteres Beispiel wäre Diabetes. Es kommt vor, aber die Wahrscheinlichkeit dass ein Kind daran in den ersten 20 Jahren erkrankt ist eher gering. Warum 20 Jahre? Man geht zwar genau wie beim einfrieren von Embryonen davon aus das die Zellen nur in eine Art „Dornröschenschlaf“ verfallen und nach der Lagerung genauso agil sind wie frische, aber das ist halt nicht ganz genau erforscht. Es kann halt sein das sie nach einer gewissen Lagerungszeit unbrauchbar sind. Und das was man aus der Nabelschnur gewinnt, reicht nur für ein Kind, nicht aber für einen Erwachsenen. Erkrankt mein Kind also später war alles umsonst.

Man kann natürlich nicht sagen was sich in den nächsten Jahren in der Stammzellenforschung noch alles tun wird. Das intensiv geforscht wird sollte klar sein. Aber ob und was man alles heilen könnte, bzw. was davon auch zugelassen wird, dafür müsste man wohl Hellseher sein.

Was ist also mein Fazit? Ganz ehrlich? Keine Ahnung! Ich bin mir nicht sicher und vermutlich bin ich auch nur ganz am Rande informiert und kenne nicht wirklich alle Einzelheiten und Besonderheiten zu diesem Thema. Natürlich möchte ich nur das Beste für mein Kind, wie jede Mutter. Müsste ich mich aber jetzt sofort entscheiden, dann würde ich wohl eher dagegen entscheiden. Man kann es jedoch auch spenden und dem sehe ich eigentlich positiv entgegen. Das kostet mich nichts und tut auch niemandem weh, sondern hilft bei der Forschung oder rettet jemand anderem vielleicht das Leben.

Was ist eure Meinung zu diesem Thema? Habt ihr euch damit auseinander gesetzt? Kennt ihr jemanden der es gemacht hat oder vielleicht sogar jemanden dem so geholfen wurde?

Hier findet ihr ein paar Informationen

Welche Vorteile hat Nabel­schnur­blut?

  1. Wachstumsfreudig und tolerant

Stammzellen aus dem Nabel­schnur­blut vermehren sich leicht und schnell. Sie tolerieren auch eine neue Umgebung gut: Nach einer Transplantation attackieren sie seltener den Körper des Empfängers. Falls ein Geschwisterkind erkrankt, sind Nabel­schnur-Stammzellen oft die beste Lösung.

  1. Kaum Umweltschäden

Die Stammzellen des Nabel­schnur­bluts sind so jung wie nur möglich: Die Umwelt hatte nur wenig Gelegenheit, das Erbgut zu schädigen. Beste Voraussetzungen, um bei einer Therapie optimale Ergebnisse zu erhalten.

  1. Leicht zugänglich

Die Abnahme von Nabel­schnur­blut ist einfach und schmerzfrei – Mutter und Kind merken fast gar nichts davon. Das Risiko für eine leichte Anämie beim Neugeborenen ist zwar etwas erhöht, für ein gesundes Kind ist dies aber keine ernste Gefährdung.

Was das eigene Nabel­schnur­blut noch nicht kann

  1. Leukämien im frühen Kindesalter

Blutkrebs entsteht durch eine Anhäufung von Gen­defekten, die oft einen sehr frühen Ursprung haben. Auch der Fetus im Mutterleib kann schon betroffen sein. Daher vermeiden es Ärzte, Blutkrebs bei Kindern mit dem eigenen Nabel­schnur­blut zu behandeln

  1. Keine Heilung von Erbkrankheiten

Die Stammzellen des Nabel­schnur­bluts tragen das gleiche Erbgut wie alle anderen Körperzellen auch, inklusive vererbter Mutationen und Defekte. Sie eignen sich daher nicht für die Behandlung von Erbkrankheiten – es sei denn, in Kombination mit einer Gentherapie.

  1. Nur bedingt für Erwachsene

In der Nabel­schnur ist nur wenig Blut. Das reicht für die Behandlung von Kindern, aber für ältere Teenager oder junge Erwachsene ist es in der Regel zu wenig. Diese brauchen meist noch eine zusätzliche Spende.

Was das eigene Nabel­schnur­blut in ZUKUNFT vielleicht kann

  1. Behandlung von Erwachsenen

Forscher arbeiten an Verfahren, um Nabel­schnur-Stammzellen im Labor so zu vermehren, dass eine einzelne Spende einen Erwachsenen erfolgreich behandeln kann. Erste Versuche machen Hoffnung, sind aber noch im Anfangsstadium.

  1. Erbkrankheiten durch Gentherapie

Mit Strimvelis wurde erstmals eine Gentherapie zugelassen, die mit veränderten Blutzellen eine schwere Immunschwäche heilen kann. Auch Nabel­schnur­blut eignet sich für diesen Zweck. Weitere Gentherapien werden in absehbarer Zeit auf den Markt kommen.

  1. Neue Therapien

Forscher versuchen, das Nabel­schnur­blut für viele weitere Krankheiten zu nutzen. Fast alle Studien sind noch in einem frühen Stadium, und viele davon werden vermutlich scheitern. Große Hoffnungen werden jedoch gerade in die Behandlung von frühkindlichen Hirnstörungen (Zerebralparese) gesetzt.

Fazit

Die Entscheidung ist nicht einfach. Nichts spricht eindeutig für – oder auch gegen – die private Einlagerung von Nabel­schnur­blut. Es ist denkbar, dass das eigene Kind von dem eingelagerten Blut profitieren wird. Es gibt aber meist auch alternative Therapien. Das eigene Nabel­schnur­blut mag Vorteile bieten, es ist jedoch selten unersetzlich.

Die Abnahme von Nabelschnurblut wird ein gesundes Kind (und dessen Mutter) allerdings auch kaum beeinträchtigen. Und bei einer Einlagerung in öffentliche Banken ist höchst unsicher, ob das Kind oder dessen Geschwister wieder auf die Spende zurückgreifen können.

Die private Vorsorge mit Nabel­schnur­blut bleibt eine Spekulation auf die Zukunft: Wenn der medizinische Fortschritt hält, was er verspricht, könnte sich eine private Einlagerung als sinnvoll erweisen

Quelle: wissensschau.de

 

 

 

 

 

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10 Kommentare zu „Einfrieren von Nabelschnurblut und -gewebe

  1. Ich hätte beide Male gerne gespendet (habe selbst auch schon via DKMS Stammzellen gespendet), allerdings geht das nur in wenigen Krankenhäusern überhaupt. Beim ersten Kind wäre es noch gegangen (nicht über DKMS aber immerhin), da hatte ich aber vergessen die vorher ausgefüllten Formulare in die Kliniktasche zu packen 😒 und im Wehensturm hatte ich keine Kapazitäten mehr für so was), beim zweiten war ich in einem KH wo sie aus Prinzip die Nabelschnur auspulsieren lassen, diese Möglichkeit also nicht anbieten. Eingelagert hätte ich nicht, nach meinem Recherchen schien mir das nicht lohnend.. dann lieber spenden, auch an die Forschung, so können vielleicht wenigstens meine Enkel irgendwann von diesem Verfahren profitieren..

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  2. Liebe Heartbeat, zur Entnahme des Nabelschnurblutes kann in der Regel nicht gewartet werden, bis die Nabelschnur auspulsiert. Deshalb haben wir uns gegen Einlagerung/Spende entschieden (was im Geburtshaus aber ohnehin nicht möglich gewesen wäre). Das Auspulsieren hat unmittelbare Vorteile für dein Neugeborenes, das Nabelschnurblut „nur“ potentielle Vorteile von denen du ja nicht weißt ob dein Baby sie je brauchen könnte *klopfaufholz*. z.B. bei http://www.hebammenwissen.info/durchtrennen-der-nabelschnur/ findest du Informationen zum Auspulsieren lassen.

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    1. Da kann natürlich nicht gewartet werden. Das auspulsieren ist auch bei uns schon Thema gewesen. Aber wenn wir spenden wollen, dann ist auch das nicht möglich. Das müssen wir aber noch entscheiden.

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  3. Ich finde du sprichst hier ein ganz wichtiges Thema an. Wir haben schon kurz darüber geredet und ich habe mich etwas informiert. Aufgrund des unklaren Nutzens würde ich eher nicht privat einlagern, spenden vielleicht schon… wobei ich auspulsieren eben auch gut finde.
    Danke also für die Denkanstöße! Lg

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    1. Das auspulsieren hab ich in meinem Beitrag zwar gar nicht erwähnt, aber auch das käme für mich eher in Frage. Nach dem Beitrag habe ich mich noch mit meinem Mann unterhalten und wir sind uns einig, das wir einfrieren nicht machen werden. Spenden oder auspulsieren aber schon. Ist nur die Frage ob spenden in der Klinik möglich ist.

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  4. Sehr interessanter Artikel. Für uns standen unter der Geburt dann aber andere Dinge im Vordergrund, die Nabelschnur habe ich schnell durchtrennen müssen anstatt der überrumpelte Freund und dann musste das Baby ganz schnell weg und versorgt werden. 😦 Insofern bin ich im Nachhinein froh, dass ich mir um diese Themen weniger Gedanken gemacht hatte. Sollte wohl so sein.

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  5. Sehr interessantes Thema. wir haben da auch schon drüber nachgedacht und uns ähnliche Gedanken gemacht wie ihr. Unsere Tendenz geht auch zu eher nicht machen, höchstens spenden. Wir wollten aber auch erstmal die Klinik-Besuche abwarten, bis wir uns da noch mal genauer mit befassen.

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  6. Für mein Mann und mich war es schnell klar: wir sind beide bei der DKMS und haben beide einen Organspende-Ausweis. Warum sollten wir etwas das für jemand anderes kostbar sein kann einfach verwerfen?
    Auspulsieren war in unserem KH ohnehin keine Option, weswegen wir uns hier nicht entscheiden mussten.
    Leider wurde die Entnahme dann wohl während des Sekundären KS vergessen, obwohl wir nochmal darauf hingewiesen haben. Schade …

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  7. Interessanter Artikel!

    Da ich Rhesus negativ bin, wird man die Nabelschnur bei mir nicht auspulsieren lassen und dadurch wurde mir diese Entscheidung immerhin leicht gemacht: wir werden Nabelschnurblut spenden. Ich finde das ne super Sache, vor allem da es eben niemandem schadet und man damit vielleicht wem anders das Leben rettet.

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